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Folge #252 · Event

Interview zu Konferenz und Barcamp

Sa., 19. Oktober · Hosts: Roman Fritsches, Sören Janson · Gast: Sven Krause

Beim Rückblick auf die erste Konferenz und das erste Barcamp der tgabar e.V. in Berlin betont Moderator Sven Krause, wie ergebnisfokussiert und energiegeladen die Community auftrat. Entscheidend waren Moderatorenbriefing, aktives Zuhören und das Aktivieren passiver Mitglieder. Für die Zukunft empfiehlt er kompakte Workshop-Sessions mit konkreten Ergebnissen statt reiner Themensammlung.

Inhalt des Podcasts

Wie war die erste Konferenz der tgabar aus Sicht des Moderators?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar. Ich bin heute überhaupt nicht alleine: Sören ist hier, Sven ist hier. Hallo Sven.

Sven: Hallo, servus, grüß euch. Wir sind in Berlin, und hinter uns sind ungefähr 55 Leute, die quatschen — die hört ihr die ganze Zeit.

Sören: Alles Mitglieder an der Bar. Ja, wir sind auch fast in einer Bar.

Roman: Ich bin ganz schön glücklich und kaputt.

Sven: Also ich bin nicht kaputt, Gott sei Dank. Ich habe noch Energie — das ist aber auch das Credo der Konferenz. Über Energie können wir uns nicht beklagen. Eine unglaubliche Konferenz bisher. Man kann gar nicht glauben, dass wir das zum ersten Mal machen. Ein Statement, das ich eingefangen habe: Es fühlt sich an, als würden wir es zum zehnten Mal machen.

Roman: Ich muss dich noch vorstellen — wie immer haben wir die Vorstellungsrunde weggelassen, weil wir uns ja alle kennen und duzen. Sven, wir haben dich glücklicherweise als professionellen Moderator auftreiben können. Das ist dein Job, ne?

Sven: Ganz genau. Ich bin Moderator für Messen, Konferenzen und Workshops, auch in dieser Rolle heute hier. Die Arbeit als Moderator lebt immer davon, dass man Spaß dabei hat, und hängt stark von den Leuten ab, die dabei sind. Und das war hier sensationell.

Roman: Hattest du mal ein professionelles Sprechtraining?

Sven: Ich hatte tatsächlich mal ein professionelles Sprechtraining. Ob das gefruchtet hat, müssen andere beurteilen — aber ich bin ausgebildeter Synchronsprecher.

Wie hat der Moderator die TGA-Community erlebt?

Roman: Sven, wie hast du als Außenstehender diese TGA-Community, die sich gerade gegründet hat, erfahren?

Sven: Spannend für den Moderator ist, dass man sich auf so ein Thema vorbereitet, in die Tiefe geht und fachlich in der Lage sein muss, den Gesprächen zu folgen. Gerade die Panel-Diskussionen gestern waren zu sehr spannenden Themen. Man macht sich ganz automatisch ein Bild von den Leuten. Und es ist anders, als ich es mir vorgestellt hatte: Für den Außenstehenden ist die Planung technischer Gebäudeausrüstung vermeintlich ein trockenes Thema. Aber wenn man sieht, mit welcher Energie und welchem Herzblut die Leute dabei sind, ist es ein Selbstläufer, sie zu animieren. Eine unfassbare Veranstaltung.

Roman: Ich fühlte mich wie in einem Startup — und fühle mich immer noch so. Wir sind hier in Berlin in einer Räumlichkeit, die an ein ideales Startup-Büro erinnert: In der Mitte eine Küche, alle holen sich etwas zu essen, drumherum arbeitet jemand oder spielt Kicker. Ich hatte Angst, dass das zerfasert und jeder irgendwas macht. Du hast das aber immer wieder gut zusammengebracht. Die Podiumsdiskussionen waren der Startpunkt gestern, und heute haben wir über das Barcamp neue Themen erarbeitet. Vergleich das mal mit anderen Barcamps — was passiert da üblicherweise an Fehlern, die auch bei uns passiert sind?

Was macht ein gutes Barcamp aus?

Sven: Es lebt von der Strukturplanung, die man vorher macht. Dann gibt es mal einen kurzen Bruch, aber es hängt von der Gruppe ab, wie flexibel sie damit umgeht. Da die Motivation heute so hoch war, hat uns das gar nicht gestört. Das Barcamp war sehr ergebnisfokussiert — die Leute haben nicht nur lamentiert. Häufig kommen Leute beim Barcamp eher in die Klage- und Nörgelrunde; das habe ich heute gar nicht wahrgenommen. Das liegt daran, dass wir vorher ein Moderatorenbriefing gemacht haben. Das ist essentiell, weil die einzelnen Sessions davon leben, dass der Moderator gut durchstrukturiert und die Leute animiert, dass sich möglichst viele beteiligen.

Roman: Ich habe bei zwei Sessions mitgemacht — eine mit Sören, eine mit Lars. Sören, wie hast du das erlebt?

Sören: Ich habe bei der einen Session neue Dinge gelernt — da ging es um Prozesse in der TGA im Büro. Und bei der zweiten, zum Thema Marketing, habe ich konkret mit den Leuten vereinbart, wie wir das Marketing für die TGA-Bar verbessern. Das fand ich krass. Ich habe das Gefühl, die sind plötzlich total im Verein drin und wollen ihn nach vorne bringen. Ich fühlte mich überhaupt nicht mehr alleine — diese ganzen zwei Tage nicht. Das ist mein persönlicher Höhepunkt, wo sich nach drei Jahren alles gegipfelt hat.

Warum ist aktives Zuhören so wichtig?

Sören: Wir hatten für die Moderatoren ein Vorbriefing, da habe ich das Thema aktives Zuhören mitgenommen. Ich dachte, natürlich höre ich aktiv zu. Dann hast du vorgestellt, was das wirklich bedeutet: Leute abzuholen, sich Dinge zu merken, aufzuschreiben. Da habe ich gemerkt, so richtig aktiv hörst du doch noch nicht zu. Wir hatten eine Gruppe mit fast 30 Leuten — das war eine echte Herausforderung.

Roman: Die standen alle vor zwei Meter breiten Planwänden, voll mit Zetteln. Ich dachte, wie sortieren wir das? Über Diskussionen hat sich das ergeben. Wie geht man mit so großen Gruppen um?

Sven: Sören hat etwas ganz Wichtiges angesprochen: das aktive Zuhören. Das hat zwei Aspekte. Wenn man die Leute namentlich anspricht, immer wieder aktiviert und aufgreift, was vorher gesagt wurde, fühlen sie sich mitgenommen und leisten eigene Beiträge. Deswegen war das Konzept Barcamp für die erste Konferenz so wichtig. Viele Vereine leiden darunter, ab einem gewissen Zeitpunkt viele Konsumenten und wenige aktiv Prägende zu haben. Wir haben es geschafft, 80 Leute zu begeistern, sich aktiv einzubringen. Macht Barcamps, hört den Leuten zu, bindet sie ein — passive Mitglieder sind schön für die Beiträge, bringen euch in der Arbeit aber nicht weiter.

Roman: Ich habe gemerkt: Es kommen extrem gute Ideen, die aber nicht gut formuliert sind und deswegen sterben. Das war heute zweimal die Gefahr. Ich habe dann versucht, die Idee anders zu beschreiben, jemand anders hat sie noch einmal anders beschrieben, und jetzt steht sie im Mittelpunkt — die beste Idee. Das gehört zum aktiven Zuhören dazu.

Wie bringt man die Ergebnisse nach dem Barcamp auf die Straße?

Sven: In einer Barcamp-Session — wir haben heute zwei Stunden gemacht — reißt man viele Themen an, mehr ist in der kurzen Zeit nicht möglich. Jetzt ist wichtig, die Pace auf die Straße zu bringen. Die Leute brauchen schnell Erfolgserlebnisse. In der Zusammenfassung sollte man ein, zwei, drei klare To-Dos und Highlights ableiten, die dann in den Lounges weiterentwickelt werden — direkt daran arbeiten und Ergebnisse präsentieren. Das ist ein essenzieller Erfolgsfaktor.

Roman: Was rauskommen wird, sind die tiefhängenden Früchte — Dinge, die wir in bestehende Lounges eingliedern können, etwa Prozesse im TGA-Büro und das Thema Projektmanagement. Außerdem wird sich eine Lounge Marketing gründen, und es gab die Idee, eine Lounge Bauüberwachung zu gründen. Es werden also wahrscheinlich neue Lounges entstehen.

Sven: Wenn ihr in die Lounges geht, ist wichtig, dass man die feste Struktur nutzt. Bisher haben sich drei, vier, fünf Leute um Themen gekümmert, dazu viele Barkeeper. Jetzt geht es darum, die Impulse der Leute zu delegieren und zurückzugeben, sie aufzunehmen und umzusetzen, damit die Leute sehen: Ich kann mich nicht nur einbringen, es geht auch in die Umsetzung. Beispiel Homepage — auch wenn man viel Herzblut hineingesteckt hat, ist das Feedback aus der Gruppe ganz wichtig.

Was bedeutet der Umgang mit der jungen Generation für die eigene Haltung?

Sven: Bei der Panel-Diskussion gestern ging es um Nachwuchs und um viele Themen rund um die Generation Z. Ich hoffe, beim einen oder anderen gab es das Aha-Erlebnis: Vielleicht muss ich auch an mir oder an meinem Mindset etwas ändern, damit wir das Thema erfolgreich angehen.

Roman: Das heißt, meinen Umgang mit den jüngeren Kollegen zu ändern — nicht nur auf Nachwuchssuche zu gehen, sondern auch den Umgang mit den Leuten, die jetzt im Büro sind.

Sören: Auch die Wünsche und das, was sie von der Arbeitswelt erwarten, ernst zu nehmen — und eine gewisse Offenheit zu haben, die bei einem selbst anfängt. Ich sehe ein Problem, da können wir ewig lamentieren, oder wir probieren Dinge aus und haben den Mut, mal ein TikTok-Video zu machen. Lass es uns versuchen, hinterher ist man schlauer. Dieser Wunsch des Deutschen nach 120 Prozent — erst alles einmal diskutieren — ist die Schwierigkeit eines Barcamps. Gut enough to try: 80 Prozent bringen uns auch zum Ziel.

Sven: Mit Mindset meine ich: Aufgrund unserer Lebenserfahrung in den Jobs, gerade in der TGA-Planung, gehört viel Erfahrung dazu. Jetzt kommen junge neue Geister, die sich einbringen wollen. Erstmal habe ich Vorbehalte gegenüber Vorgehensweise und Ideen. Der erste Schritt ist, diese Bewertung in den Wunsch umzuwandeln, etwas davon mitzunehmen. Sören, deinen Punkt fand ich total valide: Let's try — und wenn es in die Hose geht, machen wir etwas Neues. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass alles iterativer läuft: ausprobieren, Experimente machen, und wenn etwas nicht funktioniert, das Nächste probieren — möglichst strukturiert. Das haben die jungen Leute teilweise besser drauf, weil sie anfangs nicht so starr in ihren Vorgehensweisen sind.

Wie geht es im nächsten Jahr weiter?

Roman: Wie schaffen wir es, nächstes Jahr die Energie mitzunehmen? Wir sind ein fünf Monate alter Verein, lernen jetzt zu krabbeln. Was würdest du uns empfehlen — nochmal ein Barcamp? Kommst du wieder?

Sven: Ich komme auf jeden Fall wieder. Ob Barcamp das richtige Format fürs nächste Mal wäre, weiß ich nicht. Um schnell Erfolge zu haben, würde ich eher in Workshop-Charakter gehen und die Leute mehr in Themengebiete bringen, in denen sie sich auskennen und einbringen wollen — denn wir wollen die Leute ins Tun bringen. Barcamp ist ein guter Startpunkt, um Themen abzugrenzen und zu schauen, was uns bewegt. Ich kann mir vorstellen, das in kleine Sessions zu übertragen, in denen man konkrete Ergebnisse erarbeitet, sodass alle nach Hause gehen und sagen: Die Gruppe Marketing hat ein neues Konzept für Messebesucher entwickelt, oder einen Plan für ein neues Image-Video.

Roman: Also intensive Lounge-Arbeit über zwei Tage statt nur einmal im Monat eine Stunde online — richtig etwas rausmachen, ein Dokument fertigstellen, auf die Website packen.

Sven: Und dann rausgehen und sagen: Guck mal, Leute, das ist aus der Konferenz rausgekommen. Die Leute werden geflasht sein und es sofort aufgreifen.

Sören: Da müssen wir uns noch einen knackigen Namen überlegen. Wir haben Barcamp, dann kommt eine Bar-Konferenz. Lohnt es sich, das turnusmäßig zu wiederholen?

Sven: Barcamp lohnt sich immer, wenn ihr euch neu erfinden oder abchecken wollt, was die Richtung ist. Die Themen wurden durch die Teilnehmer eingesteuert, wir haben sie nicht vorgegeben. Dadurch merkt ihr, wo ihr steht, was der Puls der Zeit ist und was die Teilnehmer wollen. Es ist nicht nur eine Erarbeitung, sondern auch eine empirische Erhebung und eine Priorisierung. Das lohnt sich immer — plus den Fokus, konkrete Ergebnisse zu erarbeiten.

Roman: Sven, vielen, vielen Dank. Ich danke dir, dass du das hier begleitet, moderiert und vorbereitet hast und uns weiter begleitest. Wir nehmen mit, was wir nächstes Jahr daraus machen — wahrscheinlich mit noch mehr Leuten und anderen Formaten.

Sven: Da mache ich mir keine Sorgen. Ich kann mich auch nur bedanken — Hammer Truppe. Ihr habt etwas ganz Tolles auf die Beine gestellt, und ich drücke euch die Daumen, dass ihr das jetzt auf die Straße bringt.

Sören: Dann ab an die Bar. Ciao.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Ein gutes Barcamp ist ergebnisfokussiert statt eine Klage- und Nörgelrunde. Entscheidend ist ein vorheriges Moderatorenbriefing und eine gute Strukturplanung, damit die einzelnen Sessions durchstrukturiert sind und möglichst viele Teilnehmer aktiviert werden, sich einzubringen.

Leute namentlich ansprechen, sie immer wieder aktivieren und aufgreifen, was vorher gesagt wurde — sowie sich Dinge merken und aufschreiben. So fühlen sich Teilnehmer mitgenommen und leisten eigene Beiträge, statt nur zu konsumieren.

Statt eines weiteren reinen Barcamps eher kompakte Workshop-Sessions, in denen die Teilnehmer in vertraute Themengebiete gebracht werden und konkrete Ergebnisse erarbeiten. Ein Barcamp lohnt sich vor allem, wenn man sich neu erfinden oder die Richtung abstecken will, da die Themen von den Teilnehmern eingesteuert werden.

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