Jonathan hat einen Bachelor in Architektur und arbeitet heute als BIM-Fachkoordinator in einem TGA-Planungsbüro. An der Bar erzählt er, warum ihn die TGA als der Ort reizt, an dem ein Gebäude Leben bekommt, wie er als Architekt die Schnittstelle zur Planung managt und warum TGA-Büros gezielt Architekten ansprechen sollten, um Nachwuchs zu gewinnen.
Inhalt des Podcasts
Wie wird ein Architekt zum BIM-Fachkoordinator in der TGA?
Sören: Herzlich willkommen in der TGA-Bar. Heute: Bunte Hunde an der Bar. Wie ihr an den Geräuschen im Hintergrund hören könnt, sind wir immer noch auf der Energie Vernetzt in München, und mir gegenüber steht Jonathan. Herzlich willkommen im Podcast, Jonathan.
Jonathan: Schön, hier zu sein. Ich bin heute eigentlich als Aussteller für das Ingenieurbüro Nordhorn da, jetzt aber eher im Podcast, weil meine Rolle etwas bunter ist. Kurz zu mir: Ich habe Architektur im Bachelor studiert, mich dann aber Richtung TGA umorientiert. In der Praxisphase dazwischen habe ich gemerkt, dass mir die Ausrichtung Richtung TGA sehr viel Spaß macht — auch für Architekten ist das definitiv die Erfahrung wert.
Sören: Hattest du im Studium schon einen TGA-Anteil?
Jonathan: Ja, tatsächlich. Als Architekt hat man immer zwei große Schulen; wir hatten in unserem Studium Gebäude-Energie-Systeme und einen Mischmasch aus Gebäudetechnik und allem, was sonst noch ans Gebäude drankommt — etwa zwei Semester in diese Richtung.
Sören: Was hat dich an Gebäudetechnik interessiert?
Jonathan: Dass die tatsächliche Umsetzung, also die Weiterführung des Entwurfs in die wirkliche Ausführung, am ehesten da ankommt, wo das Gebäude Leben bekommt — eben in der TGA. Vieles entscheidet sich zwar schon im Entwurf: Nach dem Entwurf ist oft klar, ob ein Gebäude Stahlbau, Holzkonstruktion oder Stahlbeton wird. Aber das Leben kommt über die TGA hinein.
Was macht ein Architekt als BIM-Koordinator im TGA-Büro?
Sören: Das heißt, aus der Architektur — du bist Bachelor in Architektur — gehst du zu einem TGA-Planungsbüro und machst dort im Wesentlichen BIM-Koordination am Modell.
Jonathan: Genau. Ich bin Architekt, der jetzt als Planungsingenieur arbeitet, aber BIM-Koordinator zwischen allen Fachgewerken ist.
Sören: Du hast also einen Integrationswunsch, der von der Architektur kommt, und dem kannst du gut entsprechen, weil du die gleiche Ausbildung hast.
Jonathan: Richtig. Oft ist es so, dass entweder unser Standortleiter hier in München mit der Architektur spricht oder ich direkt die Sachen schicke und annehme. Vor allem SD-Pläne — die Sachen, wo die Architektur direkt tangiert ist — manage ich ein bisschen mehr. Das ist eine gewisse Schnittstelle: Was die HLS oder die Elektrotechnik anstellt, läuft nicht als Hauptkoordination über mich, aber ich bin immer mit dem Modell und der BIM-Planung tangiert.
Sören: Machst du auch die geometrische Koordination zwischen den Anlagengruppen — Heizung, Sanitär, Lüftung, Elektrotrassen entkollidieren?
Jonathan: Die Koordination übernehmen meistens die HLS-Planer. Die klassische Gebäudetechnik plant den ganzen Wasser- und Lüftungsablauf, die Elektrik kommt danach, dafür haben wir eigene Leute. Wir sind breit aufgestellt; das wird dann in Schritten zusammengeführt. Ich mache aber auch die Vorarbeit in Form von Grundrissen, IFC-Modellen und allem Möglichen.
Wie prüft ein BIM-Koordinator die Modelle der Architekten?
Sören: Du bereitest das Modell so vor, dass es verständlich genutzt werden kann. Kriegst du gute Modelle von den Architekten, oder musst du viel nacharbeiten?
Jonathan: Wir sind bei unserem Hauptprojekt — 440 Wohnungen — gerade langsam in Leistungsphase 5 angekommen. Die Modelle sind gut, wir arbeiten die ganze Zeit nebenher im BIM mit. Die Architekten schicken uns ihre DWGs, also die Grundrisse, schon recht sauber. Aber ein Plan, der einfach rausgeworfen wird, ist natürlich noch nicht funktional: Vieles brauchen wir nicht, manches ist leicht angepasst. Dieses Nachchecken, ob die 3D-Struktur insgesamt funktioniert, ist für einen Architekten in gewisser Weise einfacher und näher am Fach als für den Heizungsplaner.
Sören: Du machst also eine Art Modell-Quality-Check für eingehende Modelle. Hast du dafür einen Standard? Wir haben einen BIM-Professor bei uns im Verein, Reinhard Wimmer — kennst du den?
Jonathan: Nein, ich habe in Nürnberg studiert.
Sören: Er ist in Karlsruhe und hat eine eigene Checkliste, einen eigenen Standard entwickelt, um die Eingangs-IFC vom Architekten zu überprüfen — mit einem bestimmten Algorithmus, inzwischen sogar halbautomatisiert. Man bekommt dann ein Ergebnis: Welche Attribute fehlen, was ist falsch angelegt, was ist falsch modelliert.
Jonathan: Da hatte ich bisher wenig bis keine Probleme. Manchmal bekommt man kurze Sachen, die meistens nicht von den Architekten kommen und ein bisschen Wirrwarr sind, aber das meiste funktioniert.
Sören: Prüfst du auch den Ausgang, also dass das koordinierte Modell im richtigen Standard zum Architekten geht?
Jonathan: Was wir rausschmeißen, ist vor allem die SD, weil die groß geprüft werden muss — die Schlitz- und Durchbruchsplanung. Aber auch bei anderen Sachen schaue ich die Pläne an, mache die Planköpfe und sitze meistens mit David daran, um zu überschauen, was sich plantechnisch bewegt.
Macht der Architekt im TGA-Büro die Arbeit der Architekten mit?
Sören: Hast du manchmal das Gefühl, die Architekten müssten mehr machen, und du tust Dinge, die eigentlich sie machen müssten?
Jonathan: Es gibt schwierige Fälle, aber im Großen kommen wir relativ reibungslos mit den Architekten klar. Ich kenne genug Fälle, wo Bauherren und Architekten überhaupt nicht versuchen, sich gegenseitig zu helfen — davon bin ich zum Glück verschont. Die Kommunikation ist einfacher, wenn man selbst Architekt ist und in dieser Welt drinsteckt, nicht nur das Technische gemacht hat. Der Weg ist kürzer: Ich kann sagen, ich mache den Plan für euch schön. Das ist aus meinem Feld funktionaler und macht mir mehr Spaß — und so kann ich es den Architekten leichter schmackhaft machen.
Wie will sich der Architekt weiterentwickeln — Master und Projektierung?
Sören: Ich habe gehört, du willst dich weiterentwickeln und eine weitere Stufe erreichen. Würdest du noch einen Master machen, wahrscheinlich in der Architektur?
Jonathan: Auf jeden Fall. Wenn man sich Architekt nennen will, muss man mindestens acht Semester studiert haben, und ich habe wie die meisten nur sechs gemacht. Die Hochschule München macht für die Architektur nur sechs; die TU ist mit acht die Ausnahme, weil man acht braucht, um in die Kammer aufgenommen zu werden. Ich muss also noch den vollen Master nachmachen.
Was mir in der TGA-Arbeit ein bisschen fehlt: In der Architektur lernt man unglaublich viel über das Projektieren. Es gibt vier große Überbegriffe, die man in der Architektur lernt — das Entwerfen, das Gestalten, das Projektieren und das Planen, also das Abstufen von Kunst zur wirklichen Umsetzung. Gerade das Projektieren würde ich gerne mehr machen, das finde ich super spannend. Im Studium hat viel mit Entwerfen und Gestalten zu tun und ist nie richtig realistisch. Man hat zwar Profs, die sagen: Wenn dein Gebäude nicht baubar ist, gibt es eine Fünf. Aber andere lassen einen auch eine runde Scheibe vor die Fassade bauen, was in der Realität nicht funktionieren würde.
Wer kümmert sich in Bauprojekten um die Organisationsplanung?
Sören: Projektieren würde dich also reizen, aber du kannst dich nicht allein darauf fokussieren.
Jonathan: Gerade ist es sehr viel Projektieren; der Master hätte diesen Fokus. Wir hatten es mit Martin Vielhauer auch auf der Bühne besprochen: Mein großes Problem ist, dass ich die Organisationsplanung in der Bauplanung als Riesenproblem sehe — das Management. Wer liefert wann was, welche Leistung, wer braucht wann welche Vorleistung, um seine eigene Leistung erbringen zu können. Das kann keiner, das macht auch keiner in den Projekten. Eigentlich wäre es eine Leistung des Projektsteuerers, sich hinzusetzen und zu sagen: Das sind die Leistungsbilder, sind die komplett, fehlt eines, und was tut ihr an den einzelnen Stellen.
Sören: Diesen Job übernimmst du also.
Jonathan: Genau, zumindest im Kleinen — unser Chef steht natürlich daneben und ist schon lange dabei.
Sören: Hast du dir dafür eigenes Werkzeug gebaut, ein Whiteboard?
Jonathan: Das meiste läuft über Excel-Listen, Checklisten oder Ähnliches. Ich arbeite überall ein bisschen mit und schaue überall drüber. Der Vorteil ist, dass man alles mitkriegt. Ich kann es auch anderen Architekten empfehlen, weil man dann wenigstens weiß, was alles drinsteckt.
Warum der Anfang der Planung über den Erfolg entscheidet
Sören: Aus der Fachkoordination bewegst du dich also in die Projektierung und bringst dich noch mehr in den Planungsprozess ein — wie der effizient und produktiv ablaufen soll, ist eine große Frage.
Jonathan: Auf jeden Fall. Der effiziente Teil reizt mich, dass man wirklich etwas umsetzt, das dann auch passiert. Am Anfang der Planungsphase ist es einfacher, mit geringem Zeiteinsatz viel Gestaltung zu bewegen, als am Ende. Viele Architekten wollen eher am Anfang die großen Hebel bewegen, statt am Ende die kleinen Sachen schieben — denn die kleinen Sachen sind anstrengend und definieren am Ende den Erfolg der Arbeit. Aber das große Ganze ist für die Menge Arbeit leichter zu bewegen. Das finde ich schade.
Sören: Genau die Erfahrung habe ich auch gemacht: Das große Ganze am Anfang macht richtig viel Spaß, aber die Phase 5 ist anstrengend.
Jonathan: Genau, da stecken wir auch.
Sollten TGA-Büros gezielt Architekten ansprechen?
Sören: Ich finde den Ansatz total attraktiv, auf Studierende und Absolventen der Architektur zuzugehen und zu fragen: Wollt ihr nicht bei uns im TGA-Büro arbeiten? Muss nicht für immer sein, ist aber eine super interessante Erfahrung.
Jonathan: Man lernt im Studium sehr gut, schnell mit neuen Programmen umzugehen. Wir hatten zum Beispiel im ersten Semester jede Woche ein neues Werkzeug an die Hand bekommen — Handzeichnungen, Photoshop, 3D-Planung, Rhino, Vectorworks. Alles einmal in einer Woche durchgeschossen, damit man schnell reinkommt. Genau das funktioniert bei mir sehr schnell.
Sören: Also sind die BIM-fähigen Programme wie Revit dann Standard.
Jonathan: Rhino geht schon in die Richtung; es ist mehr Modellierung und würde nicht im BIM-Sinne angewandt, aber die Verwandtschaft ist da. Der Schritt rüber zu Revit ist dann kein großer.
Sören: Mir hat das sehr viel Spaß gemacht. Ich denke wirklich darüber nach, ob wir mehr über den Architekten sprechen — nicht nur über besseren Austausch, sondern darüber, Architekten bei uns einzustellen, um zu koordinieren. Das funktioniert bei uns gerade sehr gut. Vielen Dank für diesen Impuls und viel Spaß auf der Messe.
Jonathan: Gerne, dir auch alles Gute.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Jonathan reizt an der TGA, dass dort die tatsächliche Umsetzung stattfindet — die Weiterführung des Entwurfs in die Ausführung, die dem Gebäude Leben gibt. Schon im Architekturstudium hatte er über Gebäude-Energie-Systeme Berührung mit Gebäudetechnik und orientierte sich nach einer Praxisphase bewusst Richtung TGA.
Er bildet die Schnittstelle zur Architektur: Weil er dieselbe Ausbildung hat, ist die Kommunikation mit den Architekten einfacher und der Weg kürzer. Er managt vor allem die Pläne, in denen die Architektur direkt tangiert ist, prüft eingehende Modelle und bereitet Grundrisse und IFC-Modelle für die Fachgewerke vor.
TGA-Büros haben Probleme, Nachwuchs und Kollegen zu finden. Architektur-Absolventen bringen Stärken im Projektieren und Gestalten mit und lernen im Studium, sich sehr schnell in neue Programme einzuarbeiten — vom Handzeichnen über Photoshop bis zu 3D-Werkzeugen wie Rhino, Vectorworks und Revit.
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