Die TGA-Bar entsteht als kostenlose Community-Plattform auf tgabar.de, um den fehlenden Projektmanagement-Standards in der TGA-Fachplanung zu begegnen. Große Büros teilen ihre erprobten Bürostandards und Vorlagen, statt neue Normen zu entwickeln. Über Live-Bargespräche treffen sich alte und junge Fachplaner, tauschen Best Practices aus und wollen so den angekratzten Ruf der TGA-Fachplanung verbessern.
Inhalt des Podcasts
Warum gibt es die TGA-Bar?
Roman: Moin Moin aus Hamburg und herzlich willkommen zum einzigen Podcast zum Thema Projektmanagement der TGA.
Sören: Wir gehen heute einen Schritt weiter. Beim Radfahren komme ich immer auf meine besten Ideen, so auch heute. Wir haben letztes Jahr mit dem VDI-Seminar Projektmanagement in der TGA angefangen, mit vielen Leuten viele aktuelle Themen besprochen, viel gelernt — und daraus gesagt: Das müssen wir weiterdenken. Dadurch ist der Podcast entstanden. In den Gesprächen haben wir viele Herausforderungen und Erkenntnisse gewonnen, und um die zu reflektieren, bin ich in der Bar gelandet. Wir haben in der TGA-Branche viele Herausforderungen — das ist das Fazit aus Seminar, Podcast und den Gesprächen.
Roman: Interessanterweise sind es weniger technische Themen, sondern die Themen der Kommunikation, die Probleme, aber auch Lösungen bieten.
Welche Herausforderungen hat die TGA-Fachplanung?
Roman: Wir haben festgestellt, dass wir eine massenhafte Verrentung vor uns haben — die alten Hasen gehen, und mit ihnen das Wissen und die alte Art, Projekte abzuwickeln. Gleichzeitig ist es schwierig, Nachwuchs zu bekommen. Die TGA-Studiengänge sind nicht überbelegt: Wir haben von etwa 38 Leuten zu Beginn gehört, von denen nur sechs einen Bachelor machen. Viele Schüler wissen gar nicht, was TGA ist. Dann kommt das große Thema Digitalisierung, das die alten eingefahrenen Prozesse verändern wird.
Und die krasseste Erkenntnis aus Podcast und Seminar: Die TGA-Fachplanung hat einen schlechten Ruf. Es kommt immer wieder die Frage „Kennen Sie einen guten TGA-Fachplaner?". Das liegt aber nicht an der Fachexpertise — die alten Hasen wissen, wie man Anlagen plant und auslegt. Es liegt an der Kommunikation, an der Vielzahl von Projekten und an den fehlenden Standards im Projektmanagement für die TGA-Fachplanung.
Was ist die Idee hinter tgabar.de?
Sören: Wir haben genug vom Meckern. Es sind zu wenig Leute da, das Know-how fehlt, die Projekte werden nicht einfacher — wir wollen daran etwas ändern.
Roman: Das Erste, was man macht, wenn man etwas ändern möchte: Man setzt sich an die Bar. Und man reserviert sich eine Website, die tgabar.de heißt. Der Plan ist, die bestehenden Standards dort zu verewigen. Die VDI 6026 steht da in Auszügen drin — ich bin nicht der VDI, darf sie nicht komplett wiedergeben, aber Auszüge darstellen und benennen, welche Normen relevant sind. Die VDI 3814 für Gebäudeautomation ist relevant; die darf ich benennen und sagen: Vereinbare sie lieber, Bauherr, vereinbare sie lieber, Fachplaner.
Wir haben mit alten Hasen gesprochen — große Büros, die Standards haben — und ich habe den Eindruck, sie sind bereit, diese zur Verfügung zu stellen. Die können ihren Bürostandard hochladen, mit Logo obendrauf, und du darfst dieses Dokument benutzen und hast dadurch zum Beispiel eine GA-Funktionsbeschreibung, die du vorher nicht hattest. Dafür muss man keine neuen Arbeitskreise gründen, keine neuen DIN- oder VDI-Normen entwickeln — man nimmt das, was schon da ist, und bringt es aufs Papier. Das machen wir mit den Profis, mit großen TGA-Fachplanungsbüros, und bringen es auf tgabar.de. Alles kostenlos, alles unverbindlich, aber mit dem Ziel, einen gemeinsamen Standard zu schaffen, der hilft, den angekratzten Ruf zu verbessern und effizienter zu arbeiten.
Roman: Das ist die Idee einer Community: Teilnahme ist kostenlos, aber nicht umsonst. Wenn ich etwas daraus ziehe, gebe ich auch etwas zurück — ich hole mir eine Vorlage und bringe eine eigene mit ein, die ich weiterentwickelt und kommentiert habe, und lade sie wieder hoch.
Wie sollen die Live-Bargespräche funktionieren?
Sören: Das Thema wollen wir zusätzlich über Live-Bargespräche aufgreifen.
Roman: Die tgabar.de ist im Werden, erste Büros sind schon dabei und stellen Standards zur Verfügung. Wir wollen uns live treffen — erst online, dann irgendwann richtig live in einer Bar. Jeder Barkeeper, der mitmacht, bekommt eine Mailadresse. Die Idee ist, alte Hasen einzuladen und in Live-Bargesprächen über Dinge zu sprechen wie das schlechteste Projekt: Wo habe ich am meisten Geld verloren, am meisten gelernt? Im geschlossenen Kreis der Fachplaner traut man sich, das zu sagen — und daraus lernt man wieder und leitet Standards ab.
Sören: Wenn viele mitmachen, muss jeder Einzelne wenig tun.
Roman: Den Standard zu verbreiten ist der nächste Schritt. Man kann auf der Website Sachen hoch- und runterladen, aber man kann auch Trainings in diesen Standards anbieten und sie zertifizieren. Für die Fachplaner ist ein dezidierter Standard, der auch an die jungen Kollegen vermittelt wird, ein wichtiger Schritt. Dafür soll die Bar herhalten: dass junge und alte Kollegen sich treffen — die alten, die die Standards geschaffen haben, und die jungen, die sie anwenden, verbessern und verändern.
Was ist das große Ziel der TGA-Bar?
Roman: Was schaffen wir am Ende? Ich hoffe, dass wir die Fachplanung ins 21. Jahrhundert bringen.
Sören: Das ist das große Ziel: alte Zöpfe abschneiden, Wege anders beschreiten. Wir haben festgestellt, dass in Podcast, Seminaren und Veranstaltungen überall dieselben Themen auftauchen und jeder ein Stück weit für sich kämpft. Das anzutreten und eine Front der TGA-Planer zu schaffen — für Hamburg als Stadtstaat kennt man schon viele Büros, aber das bundesweit zu haben, ist eine tolle Aussicht.
Roman: Im Ruhrgebiet sitzen auch wahnsinnig viele Büros, da haben wir viele Kontakte. Der Begriff Best Practice ist wichtig: Es geht nicht um theoretische, hochschulgetriebene Standards, sondern um Best Practice — was wende ich an, wie kann ich termingerecht, kostengerecht und qualitätsgerecht planen, mit dem, was schon da ist. Diese Best Practices wollen wir auf tgabar.de dokumentieren.
Wie kann man mitmachen?
Sören: Wer an der Idee mitwirken möchte, guckt auf tgabar.de.
Roman: Call for Action: Liebe TGA-Fachplaner, alle Profis und alle, die es werden wollen — werdet Barkeeper oder kommt einfach an die Bar und baut Standards mit uns zusammen.
Sören: Wenn ihr die Schubladen voll habt und euer Wissen teilen wollt, geht auf die Internetseite. Da stehen die E-Mail-Adressen.
Roman: Dann rufen oder schreiben wir zurück und laden vor allem zu diesen Treffen ein. Es wird wahrscheinlich gewerkspezifische Treffen geben; ein Kick-Off ist aber erst mal allgemein. Wir freuen uns, wenn ihr dazukommt auf tgabar.de.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Aus dem VDI-Seminar Projektmanagement in der TGA und den daraus entstandenen Podcast-Gesprächen wurde erkannt, dass der TGA-Fachplanung verbindliche Projektmanagement-Standards fehlen. Die TGA-Bar soll diese bestehenden Standards sammeln, sichtbar machen und eine Community zum Austausch schaffen.
Eine massenhafte Verrentung erfahrener Planer mit Wissensverlust, zu wenig Nachwuchs, das Thema Digitalisierung sowie ein schlechter Ruf der TGA-Fachplanung. Der schlechte Ruf liegt nicht an der Fachexpertise, sondern an Kommunikation, der Vielzahl von Projekten und fehlenden Standards im Projektmanagement.
Große Büros stellen ihre erprobten Bürostandards und Vorlagen kostenlos zur Verfügung; andere dürfen diese Dokumente nutzen. Teilnahme ist kostenlos, aber nicht umsonst: Wer Vorlagen nutzt, soll eigene, weiterentwickelte Vorlagen zurückgeben. So entsteht ein gemeinsamer, büroübergreifender Standard, ohne neue Normen oder Arbeitskreise gründen zu müssen.
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