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Folge #30 · Rückblick

Jubiläum an der Bar!

So., 22. Mai · Hosts: Roman Fritsches, Sören Janson

Zur 30. Folge lassen Roman Fritsches und Sören Janson ihren Podcast Revue passieren. Drei Themen haben sie geprägt: BIM und die Digitalisierung des Baus, die Integrierte Projektabwicklung (IPA) und Cradle to Cradle als Kreislaufwirtschaft. Daraus leiten sie ein Fazit ab: Mit diesen Themen lässt sich der dringend gebrauchte TGA-Nachwuchs gewinnen.

Inhalt des Podcasts

Was feiert die tgabar mit der 30. Folge?

Roman: Moin Moin aus Hamburg und herzlich willkommen zum 30. Barbesuch. Wer hätte damit gerechnet, dass wir uns 30 Mal in der Bar treffen? Corona sei Dank und der sonntäglichen Aufnahmesession. Ihr habt wahrscheinlich festgestellt, dass wir jetzt professionelle Fotos haben.

Sören: Lassen wir das Intro jetzt echt weg?

Roman: Ja. Wie schon gesagt, es geht um den einzigen Podcast zum Thema Projektmanagement der TGA. Sören Janson und Roman Fritsches sind an der Bar, und wir haben professionelle Fotos, die richtig gut geworden sind. Vielen Dank an Vincent für die tollen Fotos — ich verlinke seinen Insta-Account.

Sören: Und vielen Dank für die Location an Sebastian von der Mundfabrik aus Hamburg-Hamm. Wer da um die Ecke ist, kann gerne mal vorbeischauen: lecker Burger essen, Bier trinken — haben wir an dem Tag auch getan.

Roman: Vielen Dank an Katja und Fabio, dass ihr als Statisten dabei wart und euch mit uns von allen Seiten habt ablichten lassen. Und vielen Dank an Lars, der zufällig aus Köln zu Besuch war.

Sören: Und natürlich vielen, vielen Dank für über 3000 mal angeklickte Folgen. Das hat uns überrascht, weil wir uns die ganze Zeit gefragt haben: Wer hört uns eigentlich? Und es hören uns ganz schön viele. Der größte Dank geht an euch, dass ihr uns so treu geblieben seid. Die 30. Folge wollen wir als Jubiläumsfolge sehen und Revue passieren lassen, welche großen Themen uns begleitet haben und was noch kommt.

Roman: Bevor wir die Themen angehen: Die Interviews waren spitze. Ich danke nochmal allen Interviewpartnern. Diese Interviews waren wirklich eine Mindblowing-Experience — wenn man plötzlich zu einem Thema jemanden hat, der innerhalb von 30 Minuten Feuer fängt und eine Sache nach der anderen raushaut, von der man nie etwas gehört hat.

Sören: Und das hatten sie irgendwie alle. Erstmal die Bereitschaft, bei so einem unbekannten Podcast mitzumachen und ihre Gedanken, die echt in die Tiefe gehen, aufzuzeigen und mit uns zu diskutieren. Es hat einfach Spaß gemacht.

Welche drei großen Themen haben den Podcast geprägt?

Roman: Es hat Riesenspaß gemacht — und es hat uns verändert. Du hast selbst gesagt, es hat deinen Blick auf den Job verändert. Erzähl mal.

Sören: Es ist nochmal weiter über den Tellerrand geschaut, durch all diese Spezialthemen. Im Wesentlichen haben sich drei Themen herauskristallisiert. Für mich natürlich das Projektmanagement mit seinen unterschiedlichen Anwendungen — wie die Leute da rangehen. Dann das große Thema, das uns die letzten Wochen begleitet hat: BIM, also Building Information Modeling, und die Digitalisierung des Baus. Da kennen wir uns auch aus.

Roman: Genau, da fing es an: bei BIM und dem Thema Projektmanagement.

Sören: Da haben wir ausgiebig gesprochen, um den Stand der Dinge festzumachen, und die Interviews haben das nochmal erweitert.

Roman: Integrierte Projektabwicklung war das nächste Thema, das für uns beide ziemlich neu war — sozusagen die komplett neue Denke des Bauens. Wir reden nicht mehr über die klassischen HOAI-Prozesse, bei denen ich irgendwann meine Ausführungsplanung an die ausführende Firma übergebe und mich dann mit ihr streite, sondern es ist eine komplett andere Denke.

Sören: Das hat versucht, diese starre Welt aufzulösen, die man bisher kennengelernt hat, und zu fragen: Ist es wirklich sinnvoll, ewig so weiterzumachen, oder müssen wir uns nicht neu finden? Es ist ein Ansatz, den man gedanklich mitnehmen sollte.

Wie probiert Roman die Integrierte Projektabwicklung selbst aus?

Roman: Tatsächlich probiere ich den jetzt sogar aus. Ich habe ein kleines Projekt zusammen mit einem Projektsteuerer — wir sind TGA-Projektsteuerer — und es sind 20 kleine Projekte, die wir gemeinsam als IPA, Integrierte Projektabwicklung, durchführen. Wir haben einen Kostenrahmen, gucken dann immer nach den Stunden und teilen uns die Beute. Es ist spannend, das einfach mal auszuprobieren und diese Denke mitzunehmen.

Sören: Hinter dem Konzept verbirgt sich, dass nicht alles gleich umgesetzt werden kann — das ist klar. Aber sich der neuen Thematik zu öffnen und, wenn man in Diskussionen auf der Arbeit dazu reinkommt, den Input zu bringen, um zu schauen, ob es nicht in eine andere Richtung geht, statt wieder in Frustration und Schimpfen auf den Job zu enden.

Warum hat Cradle to Cradle Romans Blick verändert?

Roman: Genau da endet es nämlich oft genug. Mich hat das Thema Cradle to Cradle stark verändert. Ich war schon immer beim Thema Energiewende stark unterwegs, aber jetzt habe ich verstanden: Wir brauchen noch viel mehr. Für mich gehört vor allem das Thema Nachhaltigkeit und Cradle to Cradle dazu — also wie ich eine Kreislaufwirtschaft in der Baubranche aufbaue. Ich finde es spannend, dass die EU sich das für 2050 vorgenommen hat. Was heißt das für die TGA-Fachplanung und für das Thema BIM? Jetzt kommen alle Themen zusammen.

Sören: Die Verzahnung, genau.

Roman: Die ultimativen vier Anwendungsfälle, die wir kennengelernt haben. Cradle to Cradle heißt für mich konkret: Übernächste Woche fahre ich nach Berlin zu einem Investor, der ein Grundstück gekauft hat und möglichst viel wiederverwenden will. Er will nicht, dass die Stahlträger irgendwo eingeschmolzen und wieder hertransportiert werden. Die Firmen, die ich anfrage und denen ich sage, nehmt den Träger, lagert ihn zwischen und baut ihn wieder ein, sagen: Nein, fassen wir nicht zweimal an. Das hat mich total verändert, auch meine persönlichen Ziele. Ich gucke jetzt in Richtung meiner Rente 2047: Bis dahin will ich eine Kreislaufwirtschaft in der Baubranche mit umgesetzt haben, mit dem Fokus TGA.

Sören: Das Thema ist so breit gefächert — die Verzahnung zum BIM, aber auch, sich ganz anders mit den Produkten auseinandersetzen zu müssen, die verbaut werden. Die wenigsten Kollegen kriegen diese Themen standardmäßig im Studium mit, nicht nur Cradle to Cradle, sondern auch BIM. Die Lernkurve, die Leute da einschlagen können, ist eher exorbitant.

Wie gewinnt die TGA-Branche mit diesen Themen neuen Nachwuchs?

Roman: Exorbitant — das war eine super Überleitung, denn genau das ist der Punkt. Bei den Umweltwissenschaften ist Cradle to Cradle schon angekommen. Ich glaube, wir können jetzt Richtung Nachwuchs denken, weil wir ein großes Problem haben: In der gesamten TGA-Branche gehen zwei Drittel der Mitarbeiter in den nächsten Jahren in Rente. Diese Zahl habe ich letztens gehört und war schockiert.

Sören: Also die, die die ganze Zeit sagen, wir haben Nachwuchsprobleme, die gehen dann selber.

Roman: Die gehen erst mal in Rente. Mit meinen Anfang 40 bin ich mittendrin: verantwortlich genug, um mich darum zu kümmern, aber noch nicht so weit, gleich selbst in Rente zu gehen — und nicht mehr jung genug, um diese Themen im Studium gehabt zu haben. Wir hängen dazwischen und fragen uns: Was tun? Die Leute gehen in Rente, und viele alte Denkweisen gehen damit auch. Vielleicht ist das jetzt die Chance, mit dem Nachwuchs diese Themen anzugehen: BIM wird eingeführt — wir haben es in neun Folgen erklärt. Wie bauen wir zirkulär? Die ganze Baubranche funktioniert anders, Produkte werden anders betrachtet: nicht mehr einfach kaufen, sondern wieder einsetzen. Und dann versuche ich noch, Integrierte Projektabwicklung zu machen, sodass alle viel mehr miteinander reden und von Anfang an gemeinsam verantwortlich sind. Das ist genau das, wo wir den Nachwuchs fangen können.

Sören: Das macht es irgendwo wieder attraktiver.

Roman: Genau: make buildings sexy again. Das sind die drei Stichworte, um Nachwuchs zu gewinnen. Bjarne haben wir schon dazu gehabt.

Sören: Genau, der hat das auch gesagt, gerade im Hinblick auf BIM: Digitalisierung, weg vom Zeichenbrett. Da ist tierisch viel Potenzial, Leute vom Berufsfeld zu überzeugen. Bauen macht Spaß, man schafft Werte — man plant etwas, wo Leute drin arbeiten, leben, lernen, lehren. Man fährt durch die Stadt und sagt: Da habe ich auch mitgebaut.

Roman: Und jetzt kann man sogar beides zusammenbringen. Wir haben einen Kollegen, der bald in Rente geht, und wir wollen alle zusammen so einen gelben Schulbus mieten, eine Tour durch Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen machen, und er zeigt uns alles, was er gebaut und geplant hat. Das motiviert auch den Nachwuchs: Ich habe Anteil am Umbau meiner Umgebung, ich bin sichtbar geworden in dem, was ich getan habe. Und auf der anderen Seite habe ich neue Themen: Ich verbessere die Welt mit Cradle to Cradle, ich habe mit BIM eine greifbare Digitalisierung, und die IPA führt dazu, dass ich wieder Spaß am Job habe und nicht immer nur der Dumme bin, der Schadensersatzforderungen vor den Kopf geknallt bekommt, wenn etwas nicht funktioniert.

Warum ist Wissenstransfer das nächste große Thema?

Sören: Da haben wir fast schon das nächste Thema für die nächste Folge: Wissenstransfer. Das ist eine große Herausforderung, wenn die erfahrenen Leute weggehen. Wie behalte ich das Wissen im Unternehmen? Das ist vielleicht das passende Schlusswort zu dieser Folge. Gerade auf Projekte bezogen, die noch weiterlaufen, muss ich mich frühzeitig auseinandersetzen — Prozesse und Projektmanagement schaffen, die das leisten.

Roman: Genau da ist das Problem. Alle gucken nur aufs Fachliche: Der Förderanlagenplaner ist bald weg, da muss man das Fachwissen halten. Das haben die meisten Ingenieurbüros im Blick. Aber das Wissen zum Projektmanagement, zu den Abläufen, zur Kapazitätsplanung und zu den Schnittstellen — das wird nicht dokumentiert.

Sören: Der Austritt eines Kollegen oder einer Kollegin muss koordiniert und strukturiert ablaufen. Die Erfahrenen sind ja oft die wandelnde Wikipedia mit krassem Wissen auf allen Gebieten und viel Lebenserfahrung. Davon kann man partizipieren, wenn man frühzeitig versucht, das Wissen in der Firma zu belassen.

Was ist Romans Appell an die TGA-Branche?

Roman: Jetzt kommt der allerletzte Appell. Wir denken immer noch zu sehr in unseren eigenen Firmen — Ingenieurbüro A, B und C optimieren jeweils für sich ihr Projektmanagement, ihr Fachwissen, ihre Prozesse. Aber wenn zwei Drittel der Kollegen in Rente gehen und Nachwuchs schwer zu kriegen ist: Wir haben überhaupt kein Konkurrenzproblem. Wir als TGA-Fachplaner sind eine gefragte Ware, ein knappes Gut, und haben jedes Recht, auch Nein zu Projekten zu sagen. Der Vertrieb meines Büros besteht darin, Projekte abzulehnen. Das Problem haben wir alle: zu viele Projekte. Es geht jetzt darum, effizienter zu werden, den Nachwuchs zu gewinnen und zu halten und mit den neuen Themen das Projektmanagement besser zu machen — sodass wir mehr schaffen, entspannter und glücklicher sind und wieder Spaß bei der Arbeit haben.

Sören: Das klingt nach einer spannenden Zukunft. Ich glaube, diese Thematiken führen dazu, dass wir erst mal weitermachen.

Wie geht es mit dem Podcast weiter?

Roman: Wir machen weiter — Folge 30 von 300. Ich habe gestern bei LinkedIn geschrieben: Mein erster Agiler Coach hat 70.000 gehörte Folgen, aber auch 300 Folgen veröffentlicht, mehrere pro Woche. Wir machen eine pro Woche. Das heißt, in 270 Wochen, also ungefähr fünf Jahren und ein paar Monaten, sind wir auch bei 70.000. Oder auch früher, wenn es besser läuft.

Sören: Wir haben einen großen Fundus an Folgen und Themen, die wir noch beackern möchten, und hoffen, dass ihr weiterhin fleißig zuhört. Schickt uns gerne euer Feedback, eure Fragen und Themenanregungen. Wenn ihr etwas Gehörtes vertiefen wollt, sind wir offen, kurzfristig in unseren Redaktionsplan zu greifen. Wir wollen in den Austausch mit euch kommen: nutzt die sozialen Medien, E-Mails, WhatsApp.

Roman: Nutzt LinkedIn, findet uns dort.

Sören: Alles, was ihr von uns habt. Oder sogar eine E-Mail.

Roman: Einen Brief würde ich auch annehmen und lesen.

Sören: Würde ich extrem gerne lesen — wenn das Porto bezahlt ist.

Roman: Schickt uns bitte einen Brief. Call to Action: send a letter.

Sören: Beteiligt euch gerne, wenn ihr Ideen habt oder selbst interviewt werden wollt, weil ihr ein Thema habt, das bisher unter den Tisch gefallen ist. Schreibt uns an, wir melden uns.

Roman: Wir melden uns garantiert.

Sören: Aber schnell. Zum Wohl. Und daher: Ab an die Bar. Wir sind wieder die Letzten, aber das ist wie jedes Mal.

Roman: Wir sind immer die Letzten. Ciao.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Drei Themen haben sich herauskristallisiert: BIM (Building Information Modeling) und die Digitalisierung des Baus, die Integrierte Projektabwicklung (IPA) als neue Denkweise des Bauens und Cradle to Cradle als Kreislaufwirtschaft in der Baubranche — jeweils mit Bezug zur TGA-Fachplanung.

Laut den Hosts gehen in der gesamten TGA-Branche zwei Drittel der Mitarbeiter in den nächsten Jahren in Rente. Mit ihnen geht viel Erfahrung und altes Denken verloren. Neue Themen wie BIM, IPA und Cradle to Cradle sollen den Beruf attraktiver machen und Nachwuchs gewinnen und halten.

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